Krawatte-Debatte: Gaucks Protokoll-Chef knöpft sich Jochen Otts SPD vor

Aktualisiert: vor 15 Stunden
Heute außerdem im Landtagsblog:
Da fühlt sich aber jemand auf den Schlips getreten... Der langjährige Protokoll-Chef im Bundespräsidialamt hat kein Verständnis für das Krawatten-Verbot (weil: zu abgehoben) im Wahlkampf der NRW-SPD. Diese launige Geschichte lesen Sie gleich hier. Weiter unten gibt's für LandtagsblogPlus-Abonnenten noch etwas aus der Ministeriums-Immobilienwelt. Jetzt aber: Mode!

Am Montag hat die SPD ihr 80-Jähriges im Landtag gefeiert und Fraktionschef Jochen Ott (SPD) trug eine Krawatte. Ein seltenes Bild. Wie berichtet, dürfen die Kandidierenden der SPD auf ihren Wahlplakaten keine Krawatte tragen - weil es laut der zuständigen Werbeagentur "überheblich" wirkt. Für BILD habe ich bei Jochen Ott noch mal nachgehakt, wie er das im Alltag halten will. Antwort:
"Wer mich kennt, weiß: Ich trage Hemden von der Stange, nicht vom Schneider. Man trifft mich eher in der Eckkneipe als im Edelrestaurant. Eine Krawatte gehört für mich nicht zum Alltag, und das ist bei vielen Menschen in NRW genauso. Wir werden den Menschen auf Augenhöhe begegnen, nicht von oben herab. Deshalb bleibt die Krawatte bei mir im Schrank. Nur bei Hochzeiten, Beerdigungen und besonders festlichen Veranstaltungen mache ich eine Ausnahme."
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Das 80-Jahre-Jubiläum war dann schon mal eine Ausnahme - ein paar Stunden nach der Überhebliche-Krawatte-weg-Ansage der Werbeagentur am Montagnachmittag trug am gleichen Abend Krawatte. Übrigens wie kaum ein anderer Abgeordneter.
Zurück zur BILD-Meldung "SPD verbietet Krawatte im Wahlkampf". Der Artikel hat Enrico Brissa auf die Palme gebracht. Der ehemalige Protokollchef (!) der Bundespräsidenten Christian Wulff und Joachim Gauck lederte gestern bei LinkedIn los:
"Laut BILD (04.11.2026) verzichtet die SPD im NRW-Wahlkampf auf Krawatte und Blazer, weil das "überheblich" sei. Man kann nur hoffen, dass es eine Ente ist.
Falls nicht, zeigt es ein erstaunliches Unverständnis der kommunikativen Funktion von Kleidung. Die Krawatte ist kein Signal von Überheblichkeit, sondern ein mögliches Zeichen von Respekt: vor dem Gegenüber, vor dem Anlass, vor dem Amt. Nähe entsteht nicht durch Verkleidung als "Alltag", sondern durch Haltung und Zuhören.
Pikant: Als Schwerpunkt der verantwortlichen Kreativen wird "gesellschaftliche Kommunikation" genannt. Genau dort hätte ich mehr Gespür für Codes erwartet.
Wer Dresscodes abschafft, schafft Kommunikation nicht ab. Er kommuniziert nur unbewusster."
Interessanter Ansatz.
Schäffer verteidigt umstrittene Abschiebung in Leverkusen

Seit Tagen sorgt der Fall der Familie Rouf aus Sri Lanka für Aufregung in Leverkusen: Die Familie lebt seit acht Jahren in Deutschland, hat die Sprache gelernt, ist gut integiert. Trotzdem sollten Vater, Mutter und vier Kinder abgeschoben werden. Am Ende wurden der Vater und die älteste Tochter (19) ausgeflogen, ein Sohn (15) war auf Klassenfahrt, sonst hätte man an dem Tag die ganze Familie abgeschoben. Die Stadt Leverkusen steht als Böse da - aber sie kann für die ganze Sache nichts. Das geht aus einem Bericht von Flüchtlingsministerin Verena Schäffer (Grüne) hervor.
Die Ministerin seziert, wie man mit viel Mühe und immer wieder versucht hat, die Familie in zwei Fliegern aber am gleichen Tag abzuschieben. Außerdem betont sie, dass die Entscheidung beim BAMF fiel - und rechtlich nicht zu beanstanden sei (und gerichtlich bestätigt wurde). Schäffer bilanziert:
"Der Fall der Familie Rouf verdeutlicht die besondere Bedeutung des Kindeswohls, der Wahrung der Familieneinheit und einer sorgfältigen Organisation von Rückführungsmaßnahmen."
Neubaur trauert um Janosch
KI macht's möglich: Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) hat sich selbst zur Janosch-Figur gemacht und einen berührenden Instagram-Post zum Tod des Kinderbuch-Autoren veröffentlicht. Neubaur schreibt:
"Tiger und Bär, die Tigerente an der Schnur. Mit diesen Figuren sind Generationen groß geworden. Ich auch. Und viele von uns haben die Geschichten später den eigenen Kindern vorgelesen.
Janosch selbst hatte keine leichte Kindheit. Vielleicht konnte er deshalb so gut erzählen, worauf es ankommt: einen Freund, der zu einem hält. Ein Zuhause, an dem man sich wohlfühlt. Und den Mut, einfach mal loszugehen.
Seine Bücher bleiben. Danke, Janosch."

Ministerium verkleinert sich - Außenposten wird aufgelöst
Der Umzugswagen hat's nicht weit, eigentlich muss man nur einmal über die Straße: Bald wird die Abteilung IV (Strafvollzug) ihren Außenposten an der Berliner Allee in Düsseldorf aufgeben und mit ins Justizministerium am Martin Luther-Platz ziehen. Wann genau und warum? Eine Sprecherin des Ministeriums sagte dem Landtagsblog:
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