Erster Abgeordneter macht seine Depression öffentlich
- Oliver Auster
- vor 4 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Heute außerdem im Landtagsblog:

Hier im Landtagsblog geht's oft augenzwinkernd zu - diesmal nicht: Der Grünen-Abgeordnete Jan Matzoll hat via Instagram seine Depressionen öffentlich gemacht, er ist nach eigenen Worten gerade nicht arbeitsfähig: "Wann ich das wieder bin? Ich weiß es nicht. Aber es ist möglich, sich Hilfe zu holen. Das habe ich getan. Dieser Schritt war nicht einfach. Aber er lohnt sich."
Es ist das erste Mal, dass ein Abgeordneter so offen mit diesem Thema umgeht. Für den Kölner Stadt-Anzeiger habe ich aufgeschrieben, wie Social Media den Druck auf Politiker noch erhöht. Matzoll hatte sich auch so nichts geschenkt, war zuletzt sogar als Bürgermeister-Kandidat in Recklinghausen angetreten.
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In seinem bewegenden Instagram-Beitrag schreibt Matzoll:
"Diesen Text zu schreiben, fällt mir unglaublich schwer. Es löst Schweißausbrüche aus. Mein Herz rast. Ich habe Angst. Aber ich möchte offen damit umgehen, gerade weil ich in der Öffentlichkeit stehe. Weil meine Abwesenheit auffällt, Gerüchte entstehen lässt. Aber auch, weil ich ein Vorbild sein möchte. Mithelfen möchte, Depressionen und das Thema (fehlende) mentale Gesundheit zu normalisieren."
Die Vorsitzenden der Grünen-Fraktion, Wiebke Brems und Verena Schäffer, sagten mir:
„Wir wünschen unserem Kollegen Jan Matzoll alles Gute und eine schnelle Genesung. Wir hoffen, dass er bald wieder gesund ist und seine wichtige Arbeit im Landtag wieder aufnehmen kann. Er fehlt uns. Mentale Gesundheit ist leider noch immer ein Tabuthema. Durch seinen offenen Umgang mit seiner Erkrankung trägt Jan Matzoll dazu bei, dass sich auch andere Betroffene Hilfe holen und offen mit ihrer Erkrankung umgehen. Vor diesem offenen Umgang haben wir sehr großen Respekt und danken ihm dafür.“
Drohnen-Alarm am Landtag - wegen Videodreh

Aufregung am Freitagabend am Landtag: Die Security sichtete eine Drohne in 100 Metern Höhe und alarmierte die Polizei. Dann wurden es immer mehr Drohnen, die scheinbar vom Mannesmann-Ufer Richtung "Stadttor"-Gebäude flogen. Dort sitzen das Landwirtschaftsministerium und Teile der Staatskanzlei, was die Sache jetzt nicht besser machte.
Die Polizei schickte mehrere Beamte los, die an der Moselstraße zwei Drohnen-Piloten entdeckte. Die konnten glaubhaft versichern, dass sie keine russischen Spione sind - sondern einen Film vom illuminierten Rheinturm machen sollten, wo ein Werbe-Event stattfand. Da man trotzdem nicht mit einer Drohne über den Landtag fliegen darf, kassierten sie eine Ordnungswidrigkeits-Anzeige. Einen Text dazu habe ich auch für die Rheinische Post geschrieben.
15 Gefangene studieren in NRW
In NRW gibt es aktuell rund 14.000 Häftlinge - aber nur 15 von ihnen (fern-)studieren (Stand 2024): 13 machen ein normales Studium, zwei ein Fachhochschulstudium. Das geht aus der Antwort des Justizministeriums an eine Anfrage von drei Forscherinnen nach dem Informationsfreiheitsgesetz hervor. Demnach sind die meisten der Studenten in der JVA Gelsenkirchen untergebracht. Im Offenen Vollzug sei das Studieren einfacher, so das Ministerium. Ein Häftling im Offenen Vollzug habe denn auch in 2024 seinen Hochschulabschluss gemacht.
Landtag sagt Winter-Cabrio-Parkern den Kampf an

Im Landtag gibt es die Legende, das früher Cabrios mit Saisonkennzeichen in der Tiefgarage zum Überwintern abgestellt wurden - weil es so schön billig (gratis) ist. Tatsächlich habe ich vergangene Woche auf der Ebene U2 einen gelben Oldtimer (Cabrio!) gefunden, auf dem ordentlich dick Staub lag. Von daher scheint das alles nicht so abwegig. Ist natürlich verboten - und der Landtag hat jetzt die Faxen dicke. Wie zuerst der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete, wird es ab dem 1. Januar eine angepasste Tiefgaragenordnung geben (die aktuelle findet man hier). In der wird unter anderem festgelegt. dass jeder "Nutzungsberechtigte" (Abgeordnete, Mitarbeiter, Journalisten...) nur noch eine Parkplakette kriegt. Bisher waren es bis zu drei.
Perspektivisch wird es dann eine digitale Kennzeichenerfassung geben, wie man sie jetzt schon von jedem Discounter-Parkplatz kennt: Das System sieht so, wer illegalerweise ewig in der Tiefgarage stehen bleibt - könnte also schwierig werden für den Besitzer des gelben Oldtimers...
Offensichtliche Parkverstöße werden bislang durch Stichproben entdeckt und geahndet. Der Landtag sagte mir für einen Artikel in der Rheinischen Post:
„Bei Verstößen greift ein abgestuftes System: Festgestellte Verstöße gegen die Nutzungsregeln werden registriert, bei wiederholten Verstößen kann die Zufahrtsberechtigung für die Tiefgarage zeitlich begrenzt oder auf Dauer entzogen werden. Fahrzeuge können auch abgeschleppt werden. In einem Fall ist dies bereits geschehen.“
Besonders dreist war jüngst der Besitzer eines schnittigen Ford Mustangs. Der parkte auf einem der wenigen „Eltern mit Kind“-Stellplätzen. Kollege Gerhard Voogt vom Kölner Stadt-Anzeiger machte ein Beweisfoto. Laut Gerhard sagte der Halter des Mustangs, als er vom Landtag zur Rede gestellt wurde: Sein Fahrzeug sei zu wertvoll, um es in einer dunklen Ecke abzustellen. Der war gut!
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