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Ganz schön helle: Polizei nutzt Taser als Taschenlampe

Aktualisiert: 11. Nov.

Heute außerdem im Landtagsblog:


Der Taser 7 von Axon. Dieses Modell verwendet die NRW-Polizei
Der Taser 7 von Axon. Dieses Modell verwendet die NRW-Polizei. Foto: Axon

MacGyver wäre stolz auf die NRW-Polizei...


Am Montag wurden dem Landtag die beiden ausstehenden Gutachten zum Pilotbetrieb der Taser zugesandt. In Kurzform: Beide Gutachten - die von der Methodik her nicht so ganz verschieden waren - bescheinigen der Elektroschock-Pistole höchste Beliebtheit bei den Beamten und auch eine große Effizienz. Die Forscher schlagen aber auch kritische Töne an, wie ich für die dpa aufgeschrieben habe: Unter anderem - so das Gutachten der Hochschule der Polizei - seien die Beamten recht schnell dabei, die Waffe zu ziehen (auch wenn sie nur damit drohen). Zu schnell, aus rechtlicher Sicht.


Das gleiche Gutachten beschreibt aus Interviews mit Beamten noch ein ganz anderes Phänomen. So sagte ein Polizist über das Distanz-Elektroimpulsgerät (DEIG):


„Wir missbrauchen das Ding komplett. Der DEIG ist halt so vielseitig.“


Was meinte er denn damit?


„Das macht es ja auch für die Kollegen viel bewusster, dass die, also sind wir mal ehrlich, die, wenn wir Gebäude durchsuchen, wenn da ein Einbrecher ist, dann gehen wir auch oft aufs duale System und benutzen das Ding einfach auch als Taschenlampe.“


Eine ziemlich teure Taschenlampe, könnte man meinen (der Taser 7 von Axon kostet mehr als 1500 Euro), aber vor allem: Die Polizisten sollen ja auch nicht ihre Walther P99 nutzen, um eine Scheibe einzuschlagen. Die Forscher sehen das daher kritisch:


"Die angesprochene Vielseitigkeit ist kein neutrales Merkmal, sondern verändert die Art und Weise, wie das Gerät in den polizeilichen Alltag integriert wird, welche Funktionen ihm zugeschrieben werden und welche Funktionen es in der Konsequenz faktisch übernimmt. Das DEIG wird hier nicht nur als Distanzelektroimpulsgerät gedeutet und genutzt, sondern gleichzeitig auch als Beleuchtungsinstrument bei Durchsuchungen."

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Wer Muse hat: Das Gutachten, aus dem ich oben zitiere, ist inzwischen auf der Landtags-Website öffentlich zugänglich.


Kuper übergibt sein Amt an Cooper


Jule Cooper, Jugendlandtags-Präsidenti
Jule Cooper, Jugendlandtags-Präsidentin. Foto: Instagram / Landtag NRW

Wenn ich meinem iPhone einen Text mit "Kuper" zur Texterkennung diktiere, macht es jedes mal "Cooper" daraus (wenn Sie einen Tipp haben, wie ich das abschalten kann, gerne melden!). Jetzt wird im Landtag aus Kuper aber tatsächlich Cooper: Jule Cooper (18), Schülerin aus Langenberg, ist vom 13. bis 15. November Präsidentin des Jugendlandtags. Die Namens-Ähnlichkeit ist Zufall, Gymnasiastin Jule ist in ihrer Heimat im Jugendbeirat und daher schon vom Fach. Dem "Trend Lokalmagazin" aus Langenberg sagte sie:


"Ich hoffe natürlich in der Folge, dass unsere Entscheidungen auch Umsetzung finden werde in der weiteren politischen Arbeit des Plenums.“


Für ein Insta-Video des Landtags machte Jule schon mal klar, was sie als Interims-Präsidentin im Landtag bei den jugendlichen Abgeordneten nicht tolerieren wird: Jogginghosen.


Änderte Polizist sein Geschlecht für Beförderung?


Interessante Geschichte heute im Kölner Stadt-Anzeiger. Der berichtet über einen Düsseldorfer Polizisten, der sein Geschlecht auf weiblich hat umtragen lassen - und sich dadurch um 43 Plätze in der Beförderungsliste verbesserte (und dann von A9 auf A10 stieg). Das Problem: Nach Ansicht der Polizeiführung hatte der Polizist vorher gegenüber Kollegen durchblicken lassen, dass er sein Geschlecht tatsächlich nur für die Beförderung umtragen lasse. Danach wolle er das wieder rückgängig machen und als Mann heiraten. Das ist die Version der Polizei, die den Kollegen bzw. die Kollegin wegen versuchten Betrugs anzeigte.


Der Anwalt der betroffenen Person, der oft Polizisten vertritt, stellt das ganz anders dar: Seine Mandantin sei im falschen Körper geboren worden, so Christoph Arnold. Weil die Polizistin gegen das parallel eingeleitete Disziplinarverfahren klagt, wird der Fall wohl bald so oder so vor Gericht landen.


FDP vergleicht Rapper Haftbefehl mit Goethe


Promo für die Haftbefehl-Doku
Promo für die Haftbefehl-Doku. Foto: Netflix

Naaa, haben Sie denn auch schon die Doku um Deutschrapper "Haftbefehl" auf Netfix gesehen? Über die redet ja gerade jeder und auch beim Landtagsblog zu Hause war das schon Thema ("Sollen wir die nicht auch mal gucken?") - bisher konnte ich mich erwehren. Die FDP geht aber noch einen Schritt weiter: Schul-Expertin Franziska Müller-Rech spricht sich dafür aus, die Texte des Gangstarappers im Deutsch-Unterricht zu besprechen, damit sie nicht unreflektiert stehen bleiben. Da hat sie - finde ich - recht, kann man machen.


In einem Instagram-Video sagt Müller-Rech dann aber auch noch: "Am Ende ist Haftbefehl auch ein Künstler wie zum Beispiel Goethe oder auch Thomas Mann."


WHAAAT? Deine Mudda ist wie Goethe!


Müller-Rech erklärt es so: "Er hat auch eine Form gefunden, wie er die Probleme in seinem Leben verarbeitet hat und hat damit etwas geschaffen, was Menschen begeistert hat. Ob es jetzt jedem gefällt oder nicht - so war es bei Goethe damals vielleicht auch."


Darauf eine Ghetto-FAUST.

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