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Reul am Loch von Gelsenkirchen

Heute außerdem im Landtagsblog:


Kripo-Chef André Dobersch erklärt Reul die Situation im Archivraum, durch den die Täter das Loch zum Tresorraum bohrten
Kripo-Chef André Dobersch erklärt Reul die Situation im Archivraum, durch den die Täter das Loch zum Tresorraum bohrten

Man kann sich das alles gar nicht richtig vorstellen, wenn man es nicht selbst gesehen hat: Die Tausenden aufgestemmten Schließfächer, das (inzwischen abgedeckte) Loch in der Wand und die Ermittler, die im Schichtdienst run 150.000 Einzelteile vom Boden untersuchen und sortieren.


Innenminister Herbert Reul (CDU) war am Mittwochnachmittag in der Sparkasse Gelsenkirchen, um sich ein Bild davon zu machen. Er ging den Weg der Täter ab - vom Parkhaus bis in den Archivraum, durch den sie das Loch rüber zum Tresorraum bohrten. Und er sagte den Polizisten vor Ort jede Hilfe zu, die sie brauchen können.


Reul im Tresorraum. Im Hintergrund sieht man noch die aufgebrochenen Schließfächer
Reul im Tresorraum. Im Hintergrund sieht man noch die aufgebrochenen Schließfächer

Das Landtagsblog zeigt hier zwei Fotos des Besuchs, der Reul wohl lange in Erinnerung bleiben wird. Der Minister hatte fast vier Wochen gewartet, er wollte den Ermittlern nicht in den Füßen stehen. Nach der Sparkasse schaute er noch im Polizeipräsidium bei der BAO "Bohrer" vorbei.


Am Abend war der unfassbare Fall dann Thema bei "Aktenzeichen XY... ungelöst" im ZDF. Moderator Rudi Cerne zeigte einen Kernbohrer, wie ihn die Täter verwendet haben und noch mal die (bekannten) Bilder aus den Überwachungskameras.


Ob danach entscheidende Hinweise eingingen, ist noch unklar. Am heutigen Donnerstag wird der Innenausschuss des Landtags noch einmal über den Millionen-Coup sprechen. Dort wird Reul sicher auch von seinem Besuch am Tatort berichten.


Krasser Anstieg von Enkeltrick-Fällen


Ganz anderes Thema: Schock-Anrufe, Enkeltricks, falsche Polizeibeamte - solche Straftaten gegen ältere Menschen (die Grenze liegt bei 60 Jahren) werden in der Kriminalstatistik unter dem sperrigen Titel "Sonstige weitere Betrugsarten in Verbindung mit Straftaten zum Nachteil älterer Menschen - überregionale Tatbegehung (SÄM-ÜT)" gezählt. 2025 gab es einen krassen Anstieg auf 3796 Taten - 2024 waren es noch 2948, 2023 waren es 2238.


Die Zahlen stammen aus einem Bericht des Innenministeriums für den Innenausschuss des Landtags. Demnach lag die Beute bei den SÄM-ÜT-Fällen 2025 bei rund 37 Millionen Euro! Auch ein Anstieg, 2024 waren es "nur" knapp 29 Millionen Euro.

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Das Problem der Ermittler: Oft sitzen die Anrufer in Callcentern im Ausland. Sie schicken dann ihre Komplizen vor Ort los, um bei den Opfern deren Schmuck oder Geld abzuholen. Die Landesregierung setzt auf Prävention: Mit Flyern, Broschüren, einem Theaterstück ("Reingelegt und abgezockt").


Esser soll 13.500 Euro Strafe zahlen - will aber nicht


    Unter anderem um diese mutmaßlich gefälschte Masterurkunde geht es
Unter anderem um diese mutmaßlich gefälschte Masterurkunde geht es

Vor mehr als einem Jahr gab's eine Razzia beim AfD-Abgeordneten Klaus Esser, der vor Jahren gefälschte Zeugnisse bei seiner Bewerbung für den Geschäftsführerposten der NRW-AfD abgeliefert haben soll. Fotos der vermeintlich gefälschten Papiere liegen dem Landtagsblog vor. Die Staatsanwaltschaft glaubt tatsächlich an Essers Schuld und würde das Verfahren gegen die Zahlung von 90 Tagessätzen a 150 Euro beenden.


Dafür soll Essers Immunität temporär aufgehoben werden. Die Formalie wurde gestern vom Rechtsausschuss durchgewunken und muss kommende Woche im Plenum noch endgültig abgesegnet werden.


Esser gibt sich aber kämpferisch: Er wolle den Strafbefehl nicht akzeptieren, teilte der Abgeordnete gestern via Instagram mit. Damit würde es zu einem Strafprozess kommen - unklar allerdings, wann. Über den geplanten Strafbefehl habe ich gestern für dpa berichtet.


Die SPD präsentiert Morgen ihren Spitzenkandidaten


Selbst die drei ??? sind ratlos... also, zumindest laut ChatGPT.
Selbst die drei ??? sind ratlos... also, zumindest laut ChatGPT. KI-generiertes Bild: Landtagsblog

Man hört, am Mittwochabend habe das Präsidium der NRW-SPD getagt. Worüber da wohl gesprochen wurde...? Eine Presse-Einladung, um 18 Uhr versendet, gibt valide Hinweise: Am Freitagnachmittag soll nämlich der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten für die Landtagswahl 2027 präsentiert werden. Aber wer wird das sein? Am Dienstagabend hatte Hendrik Wüst (CDU) die Mitglieder der Landespressekonferenz zum traditionellen Neujahrsessen geladen und man verrät nicht zu viel, wenn man sagt: Spätestens beim Nachtisch-Büffet war das Thema die SPD-Suche nach einem Herausforderer für den amtierenden Ministerpräsidenten.


Ein Minister setzte bei Cremé Brulee und Mini-Germknödeln 5 Euro auf SPD-Fraktionschef Jochen Ott - und fand erst mal keinen, der dagegen wetten wollte. Sollte es wirklich der rauflustige Kölner werden, der für die SPD in Bütt steigt? Oder doch Ex-Wirtschaftsminister Garrelt Duin? Oder ganz jemand anderes? Und: Interessiert das außerhalb der Polit-Blase in diesen Tagen (Grönland! Handball! Kaulitz-Brüder!) überhaupt jemanden? Nö, vermutlich nicht. Aber das ist hier eben das Landtagsblog. Von daher wird uns das noch ein paar Tage beschäftigen...

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