Das steht in Reuls explosiver Syrer-Analyse "Euphrat"
- Oliver Auster

- 12. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Heute außerdem im Landtagsblog:

Heute stellt Innenminister Herbert Reul (CDU) den Abschlussbericht des Auswerteprojekts "Euphrat" zu Kriminalität und Syrern vor. Die Ergebnisse liegen dem Landtagsblog bereits vor. Spoiler: Das Papier wird vor allem den Grünen nicht gefallen. Denn es geht um Herkunft. Gewalt, Messer und Männlichkeit.
Zur Erinnerung: Nachdem es unter anderem im Juni 2023 eine Massenschlägerei zwischen kurdisch-libanesischen Clans und syrischen Großfamilien in Castrop-Rauxel gegeben hatte, wollte Reul erforschen lassen, ob es auch bei Syrern clan-ähnliche oder sonst organisierte Verhältnisse gibt. Der Abschlussbericht ist laut Innenministerium geheime Verschlusssache, es gibt aber eine siebenseitige Zusammenfassung ("Managementfassung"), die der Minister heute den Medien und morgen dem Innenauschuss vorstellen wird. Die Ergebnisse in Kurzform:
Die Anzahl syrischer Tatverdächtiger (TV) hat sich in den letzten zehn Jahren verfünffacht. Besonders geht es um Körperverletzungsdelikte, Raubdelikte und Nötigungen: "Während diese Delikte bei allen nichtdeutschen TV etwa ein Viertel der Fälle abbildet, umfasste sie im Jahr 2024 bei syrischen TV ca. 38 Prozent der Fälle."
Noch deutlicher heißt es in dem Sieben-Seiter: "Selbst unter Annahme einer konstanten, annähernden Korrelation zwischen syrischer Bevölkerung und syrischen TV sind die absoluten Fallzahlen bei syrischen TV aufgrund des verzeichneten Anstiegs jedoch als besorgniserregend einzustufen."
Grundsätzlich konnte man keine Clan-Strukturen finden: "Derzeit orientieren sich kriminelle Aktivitäten tendenziell an kurzfristigen Bedürfnissen und sind (noch) nicht professionalisiert." Aber: Das kann aus Sicht der Ermittler noch kommen.
So heißt es in dem Papier auch: "Aufgrund der hohen Anzahl syrischer TV besteht ein Potenzial hinsichtlich der Entwicklung „krimineller Karrieren“. Diese können erfahrungsgemäß auch in Organisierter Kriminalität münden, sei es innerhalb der Strukturen der Clankriminalität oder innerhalb anderer Tätergruppierungen."
Jetzt kommt der Passus, der manchem weh tun könnte:
"Zum einen ist grundsätzlich eine hohe Gewaltbereitschaft bei syrischen TV festzustellen. Syrische TV setzen gemäß der PKS (Anm.: gemeint ist die Kriminalstatistik) NRW in Bezug zu nichtdeutschen TV am häufigsten Messer als Tatmittel ein; gleichzeitig sind syrische Staatsangehörige diesbezüglich auch am häufigsten Opfer von Messergewalt. Mitgeführte Waffen, z. B. Teppichmesser, verleihen vermeintlichen Schutz und gelten als Attribut von Männlichkeit. Gewalt dient u. a. als eine vermeintlich angemessene Option zur Konfliktlösung. Das Mitführen von Waffen erscheint als eine rationale Wahl, da Konfliktsituationen von einer unbedingten Selbstbehauptung geprägt sind, sodass die Eskalation bis hin zum Waffeneinsatz als sehr wahrscheinlich erachtet wird."
"Zum anderen zeigt sich die teilweise exzessive Anwendung von Gewalt bereits verstärkt bei syrischen bzw. syrischstämmigen Kindern und Jugendlichen. Kinder, Jugendliche und Heranwachsende nehmen gemäß der PKS NRW kumuliert bei nichtdeutschen TV im Berichtsjahr 2024 insgesamt einen Anteil von ca. 18,5 Prozent ein; bei den syrischen TV ist der Wert fast doppelt so hoch."
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Das "Euphrat"-Papier empfiehlt als Handlungsoptionen unter anderem Bildungsangebote, einen offeneren Arbeitsmarkt und die Härte des Gesetzes:
"Die Aussagen von Expertinnen und Experten verschiedener Professionen verdeutlichen aber auch, dass ein konsequentes Vorgehen der Justizbehörden erforderlich ist, um notwendige Abschreckungseffekte zu erzielen und einem Ansehensverlust staatlicher Institutionen entgegen zu wirken."
Jetzt einmal durchatmen. Der Rest folgt bei der Pressekonferenz mit Reul.
"Cyber-Attacke" bei Kommunalwahl gab's gar nicht

Das ist jetzt etwas peinlich für die Behörde IT NRW: Nachdem der Server für die Wahlergebnisse am Abend der Kommunalwahl nach 18 Uhr in die Knie gegangen war, machte IT NRW eine Cyber-Attacke aus, die man aber schnell abgewehrt habe. Dennoch alarmierte man das Landeskriminalamt (LKA), das wiederum die Cyber-Ermittler der Generalstaatsanwaltschaft (ZAC) ins Boot holte. Und ZAC, jetzt ist das Ergebnis da: Es gab gar keine Cyber-Attacke! Die angebliche "Überlast-Attacke" (also der massenhafte Zugriff) war wohl einfach der normale Ansturm von Interessierten - auf den man nicht vorbereitet war. Eine Meldung habe ich für dpa gemacht.
So tickt die Strukturreform der Arbeitsgerichte
Heute stellt Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) die Pläne (alias "Diskussionspapier") für die Neuaufstellung der Arbeitsgerichte in NRW vor. Von 30 sollen nur 14 bleiben, was die Opposition bereits alarmiert - aber, so hört man wiederum von Regierungsseite, auch ziemlich sinnvoll ist. Denn der Apparat ist aufgebläht. Was da konkret passieren soll, habe ich für die Siegener Zeitung eben am Beispiel Siegens recherchiert.
Demnach ist eine Zusammenlegung der Arbeitsgerichte Hagen, Iserlohn und Siegen geplant. Diese Arbeitsgerichte seien in Südwestfalen ohnehin verbunden und würden sich einzeln nicht lohnen, so die Analyse des Justizministeriums. Das gemeinsame Arbeitsgericht solll seinen Sitz in Hagen haben. Am südlichen Standort Siegen soll eine Außenkammer eingerichtet werden. Das ist aus Sicht des Ministeriums sinnvoll, weil es zu weit bis Hagen ist. Der Rest soll heute verraten werden. Während Kritiker jetzt schon von "Kahlschlag" sprechen, scheint die Reform aus Limbachs Sicht alternativlos.
Wüst gratuliert Merz mit Social Media-Trend zum 70.

Hendrik Wüst war gestern Nachmittag in Berlin, um bei Friedrich Merz‘ Geburtstagsfeier im Reichstag dabei zu sein - und dem Kanzler, Sauerländer und CDU-Chef persönlich zum 70. zu gratulieren. Am Morgen hatte Wüst schon via Social Media Glückwünsche ausgerichtet. Die verstand man aber nur, wenn man mit aktuellen Trends gut vertraut ist.
Unter dem Motto „The Art of Cropping“ zeigte Wüst zwei Bilder: Einmal er mit Merz und dann einen Ausschnitt („crop“) eines kleinen Parts im Hintergrund. Dort waren eine Torte in den nordhein-westfälischen Landesfarben mit einer 70 zu sehen. Dafür hatte man das (echte) Foto von Wüst und Merz mit KI bearbeitet und die Torte im Hintergrund platziert. Erste Social Media-Sahne.
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