Nach dem MVP-Schock für Merz: 4,9 Gründe, warum Wüst trotzdem in NRW bleibt

Heute außerdem im Landtagsblog:
Nach der Rede von Friedrich Merz fragte man sich gestern Abend ja schon, was die Redenschreiber der CDU eigentlich beruflich machen - aber da sah der Kanzler seine Partei auch noch im MVP-Landtag. Vier Stunden später sank die Union in den Hochrechnungen von ARD und ZDF auf 4,9 Prozent. Was bedeutet das für NRW? Ich lege mich fest: Hendrik Wüst wird Merz trotzdem nicht als Kanzler beerben. Hier sind 4,9 Gründe dafür:

Punkt 1: Merz wird nicht gehen. Er hat sich am Wahlabend öffentlich so festgelegt, dass er gar nicht anders kann, als weiterzumachen. Auch wenn er damit die CDU weiter in den Abgrund reißt. Julian Nagelsmann konnte man wenigstens noch (gesichtswahrend) feuern. Beim Kanzler geht das so einfach nicht.
Punkt 2: Wüst ist nicht doof. Wenn jetzt ernsthaft der Kanzler (und Parteivorsitzende) ausgetauscht würde, kämen beide Jobs einem Himmelfahrtskommando gleich. Ist halt nicht wie bei Jürgen Klopp, der als Messias gefeiert wird. Die SPD hat dank Manuela Schwesig wieder Oberwasser und wird dem Koalitionspartner das Leben weiter zur Hölle machen. Reformen werden zur Mission Impossible. Und Wüst ist smart, aber auch nicht Tom Cruise.
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Punkt 3: Wüst ist in NRW noch nicht fertig. Diese Woche wird über die deutsche Olympia-Bewerbung entschieden. Wenn sie für NRW ausfällt (was nicht abwegig erscheint, weil man hier u..a. 2 Millionen mehr Tickets als München anbieten will), wäre das ein Mega-Lob für die Arbeit der Landesregierung. Selbst wenn München gewinnt, hat Wüst noch viel vor - KI, neue (Gas-)Kraftwerke, sein Herzensthema Kampf gegen die Einsamkeit.
Punkt 4: Wüst wird seine Landes-CDU wenige Monate vor der Wahl nicht alleine lassen. Herbert Reul hat sich schon positioniert und gesagt, dass er wieder für den Landtag antreten - und noch mal Innenminister werden will. Ein Riesenpfund für den Wahlkampf. Wüst - laut INSA drittbeliebtester Politiker in ganz Deutschland - ist die beste Chance für einen souveränen CDU-Sieg im kommenden April. Wie sollte man in den paar Monaten für Nathanael Liminski eine vergleichbare Bekanntheit aufbauen?
Punkt 4,9: Wüst lebt auch privat gerne in NRW. Die Woche über in Düsseldorf, am Wochenende in Rhede. Zwar kommt auch Merz fast jedes Wochenende in seine Heimat Arnsberg, aber Wüst hat eben auch zwei kleine Kinder. Soll man denen einen dysfunktionales Schulsystem unter einer linksgeführten Regierung antun? I doubt it.
AfD-Abgeordneter vergleicht Grüne Jugend mit Hitlerjugend

Die "schlimmste Plenarwoche dieser Wahlperiode" nannte der SPD-Abgeordnete Thorsten Klute die vergangene Woche - und bezog sich damit auf die AfD. Am Donnerstag hatte der AfD-Abgeordnete Christian Blex bereits für einen Eklat gesorgt, als er eine "seit Jahren völlig unkontrollierte Massenzuwanderung aus Niedrig-IQ-Regionen in unsere Schulen und unsere Sozialsysteme" anprangerte.
Am Freitag nannte dann AfD-Politiker Thomas Röckemann bei seiner Rede die Grüne Jugend in einer Reihe mit der FDJ und Hitlerjugend. Dafür kassierte er von Vize-Landtagspräsident Rainer Schmeltzer sofort eine Rüge (langer Applaus aller anderen Fraktionen). Als Röckemann das ganze noch mal wiederholte, bekam Röckemann einen Ordnungsruf.
Dann mischte sich auch noch Röckemanns Kollege Christian Loose vom Sitzplatz aus ein, wofür er eine nicht-förmliche Rüge bekam (Schmeltzer: "Wir können das gerne steigern, ich bin heute dazu bereit."). Der Ton wird rauer.
"Hundeflüsterer" Martin Rütter heute im Landtag
Da hat die SPD einen Nerv getroffen: Das Thema "Hundeführerschein" für neue Frauchen oder Herrchen hat vergangene Woche viel Resonanz in den klassischen und sozialen Medien gefunden. Wie vorher im Landtagsblog berichtet, hatte die SPD-Fraktion zu einer Pressekonferenz mit "Hundeflüsterer" Martin Rütter geladen und das explizit auch für Influencer geöffnet. So war am Ende zum Beispiel die bekannte Tierärztin "Doc Polly" am Start.
Heute ist die Sachverständigenanhörung im Landtag, die sich um das Thema "Hundeführerschein" dreht und auch TV-Liebling Rütter wird vor Ort sein. Einen Hund wird er wohl nicht mitbringen, denn in der Hausordnung heißt es:
"Das Mitführen von Tieren ist nicht gestattet. Ausgenommen hiervon sind Diensthunde der Polizei und Assistenzhunde."
Knochentrockene Regelung.

FDP-Abgeordneter: AfD hat in einigen Punkten "auch recht"

Alexander Steffen ist erst seit Mitte Juli für die FDP im Landtag (Nachrücker), hat es aber in dieser kurzen Zeit dank Social Media und eines Buchs ("Goodbye Deutschland") geschafft, sich selbst zur Polit-Marke zu machen. Allerdings zu einer, die zur FDP (wie wir sie bislang kannten) nicht so recht passt.
Neulich war Steffen schon bei "Nius" zum Interview zu Gast und sagte unter anderem: "Die Grünen sind ein Sicherheitsrisiko für Deutschland." jetzt sprach er anderthalb Stunden im youtube-Kanal "Lenas JF-Update". JF steht für "Junge Freiheit", eine rechtskonservative Zeitung, die unter anderem durch besagte Lena hohe Reichweiten im Internet erreicht (wir erinnern uns an die künstliche Aufregung um Hendrik Wüst und die Currywurst). Die "Junge Freiheit" bewirbt ihr Interview unter der Überschrift "Der radikalste FDP-Politiker - Alexander Steffen spricht Klartext". Eben dieser Klartext dürfte vielen in der Partei nicht passen.
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