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Männer-Verbot: "KI-Café" in Ministerium öffnet nur für Frauen

  • Autorenbild: Oliver Auster
    Oliver Auster
  • vor 2 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Heute außerdem im Landtagsblog:


Ich bin KI-Rookie, aber durchaus interessiert. Viele männliche Beschäftigte im Finanzministerium vermutlich auch, aber sie müssen leider draußen bleiben, wenn am 27. Mai das neue Lern-Format "KI-Café" im Haus von Marcus Optendrenk (CDU) startet. Das ist nämlich nur für Frauen. Ab Nachmittags sogar nur für Frauen über 50. Was sich das Gleichstellungs-Referat dabei gedacht hat, lesen Sie unten (mit LandtagsblogPlus-Abo). Hier starten wir erst mal mit einer schrillen FDP-Forderung, die wir eher von jemand anderem erwartet hätten...


Eidesstattliche Versicherung: Höne macht den Kubicki


Henning Höne
Henning Höne. Foto: FDP NRW

In der Staatskanzlei rieb man sich gestern wohl verwundert die Augen: Bei der dpa sagte NRW-FDP-Chef Henning Höne, es gehe ihm als Kandidat um den Bundesvorsitz um Seriosität statt schriller Töne - in der "Rheinischen Post" machte der Liberale dann fast zeitgleich das Gegenteil: Höne forderte (Kubicki-Style!) Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) zu einer Eidesstattlichen Versicherung auf. Der Ministerpräsident solle sagen, wann er von den Vorgängen um die zusammengestrichenen Antworten der damaligen Flüchtlingsministerin Josefine Paul (Grüne) wusste. Wüst solle diese Eidesstattliche Versicherung bis spätestens Anfang kommender Woche abliefern, so Höne.


Das ist ungefähr so, als würde ich Wüst via Landtagsblog ein Ultimatum stellen, mir bis Montag das Geheimnis seines Pflasters am Daumen zu verraten. Es gibt dafür einfach keine juristische oder politische Grundlage (die Sache mit dem Pflaster würde mich übrigens dennoch interessieren, Hinweise gerne hier einwerfen).


Unterdessen tobt weiter die Deutungshoheit um die Zensur der Antworten von Josefine Paul auf Kleine Anfrage der Opposition im November 2024. Unter anderem geht es um das Wortlaut-Protokoll der SMS zwischen Paul und Innenminister Herbert Reul (CDU) nach dem Solingen-Anschlag, das jüngst - als Teil der gestrichenen Paul-Antworten - beim U-Ausschuss gelandet ist. Tatsächlich wurde das Wort-Protokoll nach Informationen des Landtagsblogs am 3. April 2025 (also vor gut einem Jahr) schon einmal in einem anderem Kontext an den U-Ausschuss geliefert. Neu ist der Email-Verlauf rund um die von der Staatskanzlei gestrichenen Antworten. Der ist aber auch wirklich interessant.


Schon 2017: Jörg Geerlings (CDU) erfand die "Zuhör-Tour"


Screenshot-Beweis: Geerlings (MItte) startete im Januar 2017 mit seiner "Zuhör-Tour"
Screenshot-Beweis: Geerlings (MItte) startete im Januar 2017 mit seiner "Zuhör-Tour"

Am Mittwoch hat das Landtagsblog an dieser Stelle über die "Ideen-Tour" der Grünen berichtet, die verdächtig an die "Zuhör-Tour" der SPD erinnert, wobei die damalige CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer 2018 auch schon auf "Zuhör-Tour" ging und - was ich nicht wusste - eben dieser Titel schon 2017 (!) vom damaligen Landtagskandidaten und heutigen Abgeordneten Jörg Geerlings eingeführt wurde. Kurz: Geerlings ist tatsächlich der Erfinder der "Zuhör-Tour". Er sagte schon vor fast zehn Jahren (immer noch online zu finden):


„Während meiner Zuhörtour besuche ich gemeinsam mit unseren Stadtverordneten die Neusserinnen und Neusser in allen Stadtteilen. (...) Von den Bürgerinnen und Bürgern möchte ich erfahren, was sie in Neuss bewegt. Welche Ideen und Anliegen haben sie? Was sind ihre Themen für Neuss? Ich höre zu, nehme die Anliegen der Menschen auf und kümmere mich darum, Probleme zu lösen."

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Geerlings hat damit von Neuss aus quasi die Weichen für kommende Wahlkampf-Generationen gestellt. Was sagt er heute über seine Pionierarbeit? Geerlings zum Landtagsblog:


"Ob ich die Zuhörtour erfunden habe? Ich würde sagen: Ich habe sie einfach gemacht, als es noch nicht hashtag-tauglich war. Damals nannte man das einfach Politik machen. Aber es ist ja rührend, wie SPD und Grüne jetzt die Zuhörtour für sich entdecken. Besser spät kopiert als nie verstanden. Vielleicht sollten wir uns einfach darauf einigen, dass Zuhören keine Erfindung ist, sondern eine Haltung."


Staatskanzlei sucht Social Media-Agentur für Olympia


Am Sonntag schlägt die Stunde der Wahrheit: Bei einem Event in Köln wird das Ergebnis der Bürgerbefragungen in den 17 beteiligten Kommunen zur Olympia-Bewerbung Nordrhein-Westfalens verkündet. Wie eine dpa-Umfrage ergab, scheint die nötige Beteiligung (bis zu 20 Prozent der Wahlberechtigten) in den meisten Kommunen erreicht zu werden. Nur in Herten könnte es knapp werden, weshalb man sich schon in Dorsten warm läuft - um gegebenenfalls die Mountainbike-Wettbewerbe zu übernehmen. Realistischer wäre wohl, dass die dann dort stattfinden, wo eh schon Olympia wäre (sonst bräuchte man ja schon wieder einen Bürgerentscheid).


Sollten die jeweiligen Quoren erreicht werden und dann noch jeweils die Mehrheiten für Olympia gestimmt haben (eine aktuelle Umfrage spricht dafür), muss richtig gepowert werden - um NRW am Ende als deutsche Bewerbung durchzusetzen. Schließlich will u.a. Markus Söder (CSU) ja auch die olympischen Spiele. Die Düsseldorfer Staatskanzlei sucht daher aktuell eine Agentur zur "Erbringung von Leistungen im Bereich Social Media im Rahmen der Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele 2036 / 2040 / 2044".

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Der Kern des Auftrags:


"Die Social-Media-Aktivitäten dienen der Unterstützung der Kommunikationsziele der Olympiabewerbung. Hierzu zählen insbesondere:

• Steigerung des Bekanntheitsgrades der Bewerbung,

• Aktivierung und Einbindung relevanter Zielgruppen,

• Ausbau von Reichweite, Sichtbarkeit und Interaktion,

• Berücksichtigung von Partnern, Stakeholdern und beteiligten Akteuren im Rahmen der Bewerbung."


Sollte am Sonntag alles in die Hose gehen, hat die Ausschreibung sich natürlich erledigt.


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Männer müssen draußen bleiben - jüngere Frauen (später) auch


So stellt sich die KI das KI-Café der Frauen vor.
So stellt sich die KI das KI-Café der Frauen vor. Illustration: ChatGPT/Landtagsblog

Ist das noch Gleichstellung oder stellt man Frauen unfreiwillig als verschüchtert dar? Im Finanzministerium findet demnächst eine KI-Schulung nur für weibliche Beschäftigte statt. Bei dem "KI-Café" haben Männer keinen Zutritt. Die Begründung des Gleichstellungs-Referats ist, "dass Frauen in Gesprächen mit vorwiegend technischen Kontexten durchschnittlich seltener Fragen stellen oder eigene Unsicherheiten thematisieren..." Aha. Noch kurioser: Es gibt noch ein zweites "KI-Café", bei dem Nachmittags nur Frauen über 50 Jahren mitmachen dürfen. Warum das denn jetzt?

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