Virales Wüst-Fotoshooting war Fake
- Oliver Auster

- vor 12 Minuten
- 4 Min. Lesezeit
Heute außerdem im Landtagsblog:

Aktuell läuft die Kampagne "Fake Off" der Staatskanzlei: Influencer sollen Jugendliche über die Gefahren gefälschter Inhalte im Internet aufklären. Das Land gibt dafür eine Menge Geld aus. Es ist daher eigentlich kaum zu glauben, dass Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) jetzt selbst bei einem Fake-Video mitgespielt hat. Der Instagram-Inhalt, der viral gegangen ist (114.000 Likes), täuscht ein zufälliges Treffen und spontanes Fotoshooting mit Wüst vor.
Wer das Video nicht kennt: Es wurde vor einer Woche vom selbsternannten "Straßenfotografen" Fabiano (180.000 Follower bei Instagram) veröffentlicht. Die Dramaturgie der Videos des "Straßenfotografen" ist quasi immer gleich: Er quatscht offenbar wahllos Polizisten, Ordnungsamts-Leute oder Normalos an - und überzeugt sie von einem spontanen Fotoshooting direkt vor Ort. So lief das auch mit Hendrik Wüst...
Der Inhalt des Videos: Fabiano filmt aus der Ich-Perspektive, wie er scheinbar zufällig Wüst am Johannes Rau-Platz trifft und auf ihn zugeht. In den Kommentaren schrieb der Fotograf später mit einem Smiley: „Wenn man erst am Personenschutz vorbei muss.“ Im Video sieht man tatsächlich einen Mann mit verpixelten Gesicht, der sagt: „Sorry, wir sind gerade auf dem Weg zu einem Termin.“
Der vermeintliche Bodyguard ist nach Informationen des Landtagsblogs und des „Kölner Stadt-Anzeigers“, für den ich diese Geschichte zuerst aufgeschrieben habe, ein Mitarbeiter der Pressestelle der Staatskanzlei. Und auch der Rest des Videos wirkt ganz anders, als es tatsächlich war.
Wüst gibt vor, Fabiano zu erkennen ("Ich hab mal mit Stephan Keller das gesehen") - der Straßenfotograf schreibt dazu: "Er kannte mich sogar". Das Video stellt es nun so dar, als würde Fabiano Wüst im Weitergehen überzeugen, zu stoppen - und spontan bei dem Shooting mitzumachen. Wüst willigt ein. Fabiano macht Porträts, zeigt sie Wüst - der freut sich und geht weiter. Ziemlich coole Reaktion...
Und so loben auch hunderte Insta-Nutzer die Spontanität des Ministerpräsidenten, Wüst selbst schrieb bei Instagram: „Lustiges Zusammentreffen. Hat Spaß gemacht.“ Alleine dieser Kommentar bekam fast 30.000 „Gefällt mir“-Klicks.
In Wahrheit war das Zusammentreffen aber gar kein Zufall. Alles gespielt. Aus Regierungskreisen hieß es dazu:
„Der Ministerpräsident hat an jenem Tag verschiedene Social-Media-Formate unter anderem an gleicher Stelle wahrgenommen. Dass darunter auch eine Begegnung mit dem genannten Fotografen sein würde, war im Vorfeld den Beteiligten bekannt. Die Interaktion zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Fotografen erfolgte zugleich aus der Situation heraus.“
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Immerhin: Der Straßenfotograf bekam laut Staatskanzlei kein Geld – was man bei dem Werbewert für Wüst tatsächlich unterstellen könnte. Ein Sprecher der Staatskanzlei sagte mir für den Kölner Stadt-Anzeiger:
„Bei dem genannten Video handelt es sich nicht um eine bezahlte Partnerschaft. Die Landesregierung kommt einer Vielzahl von Anfragen nach, die von Journalistinnen und Journalisten sowie über soziale Medien eingehen.“
So kam es eben nach einer Anfrage auch zu dem Zusammentreffen mit Fabiano. Der Straßenfotograf reagierte auf meine kurzfristige Anfrage via Instagram am Dienstagabend zunächst nicht. Wenn er noch antwortet, ergänze ich das hier. SPD-NRW-Generalsekretär Frederick Cordes sagte mir unterdessen für den „Kölner Stadt-Anzeiger“:
„Plötzlich entpuppt sich, dass hinter authentisch wirkenden Treffen mit Straßenfotografen eine inszenierte PR-Choreografie steht (...) Nordrhein-Westfalen braucht keinen Influencer im Amt, sondern einen verlässlichen Regierungschef, der sich nicht nur dann unter die Menschen mischt, wenn die Kamera läuft.“
Übrigens: Das Motto der Landes-Kampagne "Fake Off" lautet:
"Lass dich nicht verarschen. Fake News sind mittlerweile alltäglich geworden. Lass sie uns gemeinsam entlarven!"
Josefine Paul am 6. März als Zeugin im U-Ausschuss
Es wurde viel über sie geredet - jetzt soll sie reden: Am 6. März ist die Vernehmung von Ex-Flüchtlingsministerin Josefine Paul (Grüne) im U-Ausschuss zum Solingen-Anschlag angesetzt. Das erfuhr das Landtagsblog. CDU und Grüne hatten vor gut vier Wochen angekündigt, Paul einzuladen - da war sie noch Ministerin.
AfD klagt gegen Stadt Düsseldorf wegen Büro unter Urologie

Das Bürohaus an der Burggrafenstraße 5a in Düsseldorf-Oberkassel ist unscheinbar. Laut Schild davor residieren hier unter anderem Rechtsanwälte, eine psychiatrische Tagesklinik und eine urologische Praxis. Auf den Klingelschildern steht zumindest noch "Politische Parteien Stadt" - aber man ahnt es nicht: Im Souterrain residiert die AfD-Fraktion im Düsseldorfer Stadtrat. Wie die Rheinische Post berichtet, würde die AfD lieber Räume im Rathaus haben - wie CDU, SPD, Grüne und FDP. Daher klagt die AfD-Fraktion vorm Verwaltungsgericht Düsseldorf.
Man muss dazu wissen: Auch andere Fraktionen wie Die Linke oder die Die-PARTEI-Klimafraktion sind ausgelagert, konkret an der Luegallee in Oberkassel. Allerdings durfte die geschrumpfte FDP zum Beispiel im Rathaus bleiben. Die Stadt argumentiert laut RP unter anderem mit Umzugskosten, die man sich so erspart. Sonst hätte die FDP womöglich unter die Urologie gemusst.
Der Fall erinnert an den "Otto-Wels-Saal" im Reichstag, den die verkleinerte SPD-Fraktion nicht an die angewachsene AfD-Fraktion abgeben wollte. Vor zwei Wochen entschied das Bundesverfassungsgericht gegen die Rechtspopulisten. In der interessanten Begründung der Richter heißt es:
"Die Ansicht der Antragstellerin, der Otto-Wels-Saal entspreche als zweitgrößter Saal einer Silbermedaille, auf die sie als Zweitplatzierte der Bundestagswahl einen Anspruch habe, geht fehl. Die organschaftlichen Rechte des Grundgesetzes garantieren keine Erfolgsprämien, sondern sichern die Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Willensbildung in den Staatsorganen."
Polizistin verklagt das Land wegen ihres Ehelebens
Eine Polizistin verklagt am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen das Land NRW, weil sie in Teilzeit will - und nicht darf. Die ungewöhnliche Begründung der Polizistin laut Gericht:
"Sie macht private Umstände geltend und weist hierzu auf das berufliche Wirken ihres Ehemannes hin. Dieser sei für gewöhnlich tagsüber außer Haus und erst abends wieder Zuhause. Wäre sie in Vollzeit beschäftigt, müsse sie die damit verbundenen Nachtdienste ableisten, sodass ihrem Ehemann und ihr keine Zeit bliebe, die grundgesetzlich geschützte Ehe zu vollziehen."
Das Problem, so das Gericht: "Nach Auffassung des Dienstherrn stehen der Teilzeitbewilligung dienstliche Gründe in Gestalt einer angespannten Personaldecke entgegen." Heute wird verhandelt (Az. 1 K 3822/24).
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